Winterzeit ist Hustenzeit. Das gilt leider auch für Kinder, die sich in Kita oder Schule schnell mal einen Infekt holen. Betroffen sind dann allerdings nicht nur die kleinen Patienten, sondern auch die Eltern, denn kranke Kinder müssen umsorgt und gepflegt werden. Wenn beide Eltern arbeiten oder für berufstätige Alleinerziehende kann das durchaus ein Problem sein, wenn sie mehrmals im Jahr zu Hause bleiben müssen. Das Recht dazu haben sie aber in jedem Fall, das ist gesetzlich festgelegt (mehr Infos dazu zum Beispiel unter www.aerzteblatt.de/archiv/171634/Entgeltfortzahlung-Mein-Kind-ist-krank-was-Berufstaetige-wissen-sollten).

 

Da stimmt doch was nicht!?

Woran jedoch merken Sie überhaupt, dass Ihr Kind eine Krankheit ausbrütet oder vielleicht einfach nur mal einen schlechten Tag hat? Ältere Kinder können sich klar äußern und mitteilen, wenn es ihnen nicht gut geht und wo es weh tut. Das macht die Einschätzung einer Erkrankung und die passende Therapie leichter. Bei kleinen Kindern jedoch müssen Sie auf bestimmte Anzeichen achten. Das kann zum Beispiel ein auffälliges Verhalten sein: Ist das Kind viel quengeliger und weinerlicher als normal? Oder mag es den ganzen Tag über nicht spielen und womöglich auch nicht essen? Schläft es ungewöhnlich viel? Fasst es sich immer wieder an eine bestimmte Körperstelle, beispielsweise ans Ohr (was auf eine Ohrenentzündung hindeuten kann)? Deutlicher wird es, wenn auch äußere Anzeichen dazu kommen: eine laufende Nase, besonders glänzende oder matte Augen, glühende Wangen. Fühlen sich dann auch noch Stirn oder der Körper heiß an, ist wohl eine Erkältung im Anmarsch. Typische Kinderkrankheiten wie Masern oder Windpocken (längst nicht alle Kinder sind dagegen geimpft) lassen sich früher oder später ohnehin nicht übersehen. Ein Arztbesuch ist hier natürlich obligatorisch. Wenn es aber „nur“ eine Erkältung ist? Oder wenn sich das Kind plötzlich mitten in der Nacht übergibt? Muss auch dann ein Kinderarzt aufgesucht werden?

 

Beste Medizin für Eltern: Ruhe bewahren!

In Zeiten der sogenannten Helikopter-Eltern kann man es so sagen: Diese Entscheidung hängt oft gar nicht so sehr vom Zustand des Kindes ab, sondern von den Ängsten der Eltern. Wer hinter jedem Husten eine Lungenentzündung vermutet und hinter jeder erhöhten Temperatur einen Fieberkrampf lauern sieht, wird vermutlich sehr viel schneller die Kinderarztpraxis aufsuchen. Dabei bedeutet ein Arztbesuch und der Weg dorthin für ein krankes Kind zusätzlichen Stress, das sollte man sich immer vor Augen halten. Eine durchhustete Nacht mag für Kind und Eltern anstrengend sein, gehört jedoch zu einer Erkältung dazu und wird in der Regel in der nächsten oder übernächsten Nacht besser. Wenn Sie Ihr Kind gut beobachten, bekommen Sie meist ein ganz gutes Gespür dafür, ob es sich lediglich um den sechsten Schnupfen in dieser Wintersaison handelt oder ob die Symptome auf eine ernstere Infektion – wie etwa eine Mandelentzündung – hindeuten. Hohes Fieber, das sich dauerhaft nicht senken lässt, Appetitlosigkeit, die länger als zwei, drei Tage anhält und natürlich anhaltende Schmerzen jeder Art gehören selbstverständlich von einer Kinderärztin oder einem Kinderarzt untersucht. Vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern sollten Sie immer darauf achten, dass genügend getrunken wird, denn hier kommt es sonst schnell zu einer gefährlichen Dehydrierung. Um Ihr Kind zum Trinken zu animieren, dürfen Sie ruhig zu ein paar Tricks greifen. Vereinbaren Sie zum Beispiel, dass Sie eine Geschichte vorlesen und nach jedem Absatz (bei einem Bilderbuch nach jeder Seite) muss das Kind einen Schluck trinken. Zur Belohnung und Motivation lesen Sie dann erst weiter.

 

Husten, Fieber, Halsweh – und jetzt?

Bei einer normalen Erkältung (und davon kann ein Kind bis zu zehn Stück pro Jahr haben) reichen einige Tage Ruhe aus. Das muss nicht heißen, dass Ihr Kind das Bett hüten muss, aber es sollte sich möglichst nicht anstrengen. Der kleine Patient braucht eine Auszeit. Und das bedeutet, nicht stundenlang vor dem Fernseher oder dem Computer zu sitzen, weil das die Augen anstrengt und insgesamt mehr aufputscht als beruhigt. Besser ist es, sich zum Beispiel mit einem Malbuch oder einem Hörbuch die Zeit zu vertreiben – und am allerbesten ist es natürlich, wenn ein Erwachsener etwas vorliest. Denn eine extra große Portion Zuwendung gilt als besonders wirkungsvolle Medizin!

 

Her mit den Fieberzäpfchen!

Sollte man denn immer gleich zu Medikamenten greifen, um Beschwerden zu lindern? Das mag verführerisch sein, denn wenn es dem Kind vermeintlich „gleich viel besser geht“, fühlen sich Vater oder Mutter sofort entlastet und beruhigt. Doch wer immer sofort mit pharmazeutischen Mitteln arbeitet, lässt dem Körper keine Chance, die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Durch Fieber versucht der Körper zum Beispiel, Erreger abzuwehren. Dies ist eine wichtige und völlig normale Reaktion des kindlichen Organismus, die nicht vorschnell unterbunden werden sollte. Und statt pharmazeutischer Medikamente verschaffen oft auch altbewährte Hausmittel wie zum Beispiel Wadenwickel zur schrittweisen Fiebersenkung eine deutliche Linderung, bei hartnäckigem Husten helfen Brustwickel.

Ein krankes Kind zu haben, bedeutet immer eine Herausforderung, doch je gelassener die Eltern bleiben, desto besser können alle die Situation bewältigen. Typische Kinderkrankheiten gehören nun mal zu jeder Kindheit dazu und sie machen nur momentan schwächer. Auf Dauer machen sie stark.